Jahreskonferenz 2012

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18.6.2012- Am Wochenende fand die 32.IGD-Jahreskonferenz unter dem Motto ´Frühling weckt Hoffnung und Willen  zur Veränderung´ mit über 1000 Besuchern in München und Bonn statt.

Der Präsident der IGD, Samir Falah sprach in seiner Grußrede die positiven Botschaften an, die das Motto beinhalte. Werte wie Hoffnung, Verantwortung und Veränderung zum Besseren, wären durch den arabischen Frühling in den Vordergrund gerückt worden und würden viele Menschen motivieren. Nach einem langen Winter habe das friedliche und verantwortungsvolle Bild der Revolutionäre in den arabischen Ländern viele Vorurteile gegenüber den Muslimen beseitigt. Er ermahnte daher die Muslime in Deutschland die Gelegenheit zu nutzen und durch ihr Verhalten das Bild des Islams weiter zum besseren hin zu verändern.

Auch ging er auf die Diskussion um die Zugehörigkeit des Islam zu Deutschland ein. Wer dies immer wieder an der Realität vorbei diskutieren wolle, der würde zum einen die Geschichte Europas nicht kennen. Zum anderen würde er den Muslimen in Deutschland signalisieren, dass ein Teil ihrer Identität nicht hierher gehören würde. Zur Diskussion um den Salafismus lehnte er jede Art von pauschaler Verurteilung ab. Er betonte die Ablehnung von Gewalt und die Verpflichtung aller,  sich für ein friedliches Miteinander zu engagieren. Die IGD sei zum Dialog und Aufklärung sowohl im innermuslimischen Verhältnis, als auch darüber hinaus bereit und würde in der Zukunft dieser Verantwortung noch intensiver nachgehen.

Der Präsident des Zentralrates der Muslime ZMD Aiman Mazyek zog den Vergleich zwischen den Forderungen der Demonstranten des arab. Frühlings und der französischen Revolution vor 200 Jahren in Europa. So wie damals würde Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit/Solidarität (Liberte, Egalite, Fraternite) von den Demonstranten gefordert werden.

Die Menschen in Arabien hätten ein Recht in Würde und Freiheit zu leben und man müsse sich solidarisch mit ihnen zeigen und ihnen die notwendige Zeit einräumen, ihre Ziele zu realisieren; Europa habe diese Zeit auch bekommen. Natürlich sei der Islam ein Teil Europas, betonte Mazyek und jeder der dies leugne, leugne die Geschichte.

Der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime KRM Ali Kizilkaya bemängelte die fehlende Gesprächsbereitschaft der Politiker mit den Muslimen. In diesem Zusammenhang ging er auf die  deutsche Islamkonferenz ein, die von Beginn an nie eine Konferenz mit Muslimen, sondern eine Sicherheitskonferenz sei.

Auch der Vizepräsident des Rates der Imame und Gelehrten RIGD Scheich Muhammad Antar begrüßte die Gäste und sagte, Hoffnung bedeute sich um Veränderung zu bemühen.  Die Muslime in Europa müssten sich ihrer Verantwortung bewusst sein und sich noch mehr engagieren.

Der Vizepräsident des European Muslim Network EMN Belal El-Mogaddedi ging in seinem Kurzvortrag auf den Umstand ein, sich als Muslim ständig rechtfertigen zu müssen. Angelehnt, an den Spruch eines deutschen Bürgermeisters sagt er: „Ich bin Muslim und das ist gut so.“, was von den Teilnehmern mit einem langen Applaus quittiert wurde.

Der Hass auf den Islam würde durch sogenannten Islamexperten oder –Kritiker zum Teil durch Euphemismen verschleiert, teilweise wäre er auch offenkundig. El-Mogaddedi sagte, der Islam brauche keine Aufklärung, sondern die Menschen, die sich mit dem Islam beschäftigen, müssten aufgeklärt werden. Die Muslime müssen ihre inneren Kräfte wieder entdecken und die Gesellschaft mitgestalten.

 

Prof. Tariq Ramadan, der Präsident des European Muslim-Network EMN, ging auf den Versuch der Politik und der Medien ein, die Muslime zu polarisieren.  Salafismus sei eine Strömung innerhalb des Islams(arab. Salaf ‚Vorfahren‘) und Muslime wären die einzige Instanz, die die Deutungshoheit ihrer Religion haben. Schon zu Zeiten des Propheten Muhammad-Friede auf ihn- waren beide Strömungen Ahl Al-Hadith(literalistisches Verständnis) und Ahl Al-Raii (Verständnis der sinngemäßen Interpretation) vorhanden und von ihm akzeptiert.

In diesem Zusammenhang erwähnte er auch, dass Diversität eine Barmherzigkeit Gottes sei. Kein Muslim dürfe für sich die alleinige Wahrheit beanspruchen und andere verteufeln oder sie aus dem Islam ausschließen.  Jeder Mensch habe ein Recht auf Würde und Respekt und keiner dürfe wegen seines Glaubens oder Nichtglaubens diffamiert werden. Fanatismus und Extremismus jeglicher Art lehnt der Islam kategorisch ab, betonte Ramadan.

Ferner führte er aus, dass die Muslime  das Beste für Deutschland wollen, weil sie Bürger dieses Landes sind. Er empfahl den Muslimen sich besser zu bilden, die Geschichte zu studieren und aus ihr zu lernen. Und er ergänzte: „Es liegt an uns, Begriffe wie Scharia und Dschihad positiv zu besetzen. Wir lehnen die Opfermentalität und den Egoismus ab,“ betonte der Think Tank Präsident Ramadan. Er schloss mit dem  Koranvers ab: *Die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die maßvoll auf der Erde umhergehen und die, wenn die Ahnungslosen sie ansprechen, sagen: „Frieden!“ *(Vers 25:63)

Der Hamburger Ali Khaled  ging in Bonn auf die inneren Werte des Glaubens ein.  Man solle den Koran nicht nur lesen, sondern auch verinnerlichen. Geistige Nahrung sei genauso wichtig wie Essen und Trinken. In München hatte der Jugendimam Ferid Heider referiert. Sein Beitrag handelte davon, dass ein Muslim immer Hoffnung haben müsse und sich nie demotivieren lassen dürfe. Sich in die Gesellschaft einzubringen, wäre eine im Islam verankerte Verantwortung und müsse sich in unserem täglichen Leben widerspiegeln.

Der Nahost-Experte Prof. Steinbach kritisierte in München die Bezeichnung der Demokratisierung als „Arabischer Frühling“, weil nach dem Frühling auch der Herbst kommt. Hier geht es vielmehr um ein großes historisches Ereignis. „Wir stehen am Anfang einer tiefgreifenden Veränderung. Das Überleben dieses Regimes ist nur noch eine Frage der Zeit. Diese Revolte kommt aus dem Herzen des Volkes. Das syrische Volk agiert nach den Worten von Schiller: „Der Tod ist uns lieber als die Unterdrückung.“ Die arabische Liga ist zwar gegen Baschschar Al-Assad, aber nicht unbedingt mit den Revolutionären.

Der islamische Denker Rashid Al-Ghannoushi musste wegen eines Sterbefalls kurzfristig absagen und wurde vom Minister für religiöse Angelegenheiten Dr. Noureddine Al Khadmi vertreten. Er berichtete von der tunesischen Revolution und von dem unglaublichen Willen der Tunesier. Man solle den Willen eines Volkes nicht unterschätzen. Der Ruf des Volkes ist der Ruf Allahs. So heißt es im Koran: * Wir aber wollten denjenigen, die im Land unterdrückt wurden, eine Wohltat erweisen und sie zu Vorbildern machen und zu Erben machen.*(Sure 28:5)

Al-Khadmi betonte das friedliche Miteinander der Völker und das Recht auf Bürgertum, wo immer man leben möchte. Nur soziale Gerechtigkeit könne dauerhaften Frieden sichern.

Ein Schwerpunkt dieser Konferenz war die Solidarität mit der notleidenden syrischen Bevölkerung. Ali Al-Bayanouni, ehemaliger Generalsekretär der syrischen Muslimbrüder, sagte das Leiden des syrischen Volkes übersteige jede Vorstellungskraft. Die Tatenlosigkeit der Weltgemeinschaft mache ihn wütend. Mündlichen Bekundungen müssten nun auch Taten folgen. Das syrische Volk werde seinen Weg weitergehen, seine Moral wäre sehr hoch und das Motto, dem sich es sich verschrieben habe, wäre: „Wir haben nur Dich O Allah.“ Das Ziel sei der Sturz des Regimes sowie  freie und, friedliche Wahlen. Mehr als 2 Mio. Syrer wären in Syrien und den angrenzenden Ländern auf der Flucht und daher   auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Der  musikalische Star der Veranstaltung war Abu-Rateb, der nach den ernsten Beiträgen der Referenten mit emotionalen Liedern die Stimmung lockerte.  Mit einem langen Bittgebet für Freiheit und Gerechtigkeit in Syrien, sowie mehr Frieden auf dieser Welt wurde die Veranstaltung beendet.

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