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Europäische Islamische Charta

Einleitung

Trotz ihrer Vielfalt teilen die Muslime in Europa viele Werte und Prinzipien. Diese grundsätzlichen Positionen der Muslime zu ihrer Religion als auch zu den Gesellschaften, in denen sie leben und deren Teil sie sind, sollen deutlich und klar, im weitest möglichen Konsens formuliert werden, da sie die Basis für ihre Integration in die europäischen Gesellschaften sind.

Die europäischen Gesellschaften hingegen bedürfen einer Sensibilisierung der Wahrnehmung im Umgang mit dieser signifikanten islamischen Präsenz in Gestalt der Millionen Muslime auf dem europäischen Kontinent.

Die im Folgenden beschriebenen Faktoren unterstreichen die Wichtigkeit einer gesamtheitlichen Wahrnehmung der islamischen Präsenz in Europa.Die muslimische Präsenz in Europa ist einerseits auf die osteuropäischen und andalusischen Muslimen zurückzuführen, die seit Jahrhunderten ein Teil von Europa darstellen, und andererseits ist sie den Muslimen zu verdanken, die in zahlreichen westeuropäischen Staaten sesshaft wurden, nachdem sie ursprünglich als Arbeitsmigranten für einen zeitlich befristeten Rahmen nach Europa gekommen waren. Diese Muslime wurden von Migranten zu Bewohnern und Bürgern, deren langfristige Ansässigkeit in Europa am besten in der neuen Generation ihrer Kinder zum Ausdruck kommt. Diese Generation kennt keine andere Heimat, außerhalb den europäischen Gesellschaften, in denen sie geboren und aufgewachsen ist. Der Islam in der europäischen Gegenwart, ist seit langem schon kein vorübergehendes soziales Phänomen mehr. Tatsächlich stellt er eine wichtige Komponente innerhalb der europäischen Gesellschaften dar. Heute stellen die Muslime in vielen europäischen Staaten die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft. Einige dieser Staaten haben den Islam und die Muslime als solche staatlich anerkannt, während in anderen Staaten noch um diese administrative Anerkennung gerungen wird.

Die europäischen Staaten sind aufgefordert durch klare Richtlinien im Rahmen der staatsbürgerlichen Rechte, Regeln für den Umgang mit den europäischen Muslimen einzurichten. Dabei sollten die Rechte der Muslime als Religionsgemeinschaft garantiert und ihre aktive Integration in die Gesellschaft erleichtert werden. Unabhängig davon wie unterschiedlich die europäischen Bemühungen in Bezug auf diesen Aspekt sein mögen, in Anbetracht der zahlreichen unterschiedlichen Rahmenbedingungen und Kontexte ist dies nur allzu normal, benötigt das öffentliche Interesse ein ausgewogenes Maß an Interaktion; besonders, um Erfahrungen in diesem Bereich austauschen und davon profitieren zu können. Hierbei geht um eine angemessene Formulierung von Prinzipien und politische Regelungen, die die Angelegenheiten der Muslime in Europa auf eine positive Art und Weise berücksichtigen.

Der Islam ist eine der großen Weltreligionen, reich an kulturellen zivilisatorischen Beiträgen. Gemeinsame Interessen erfordern Kommunikation und Annäherung zwischen dem Islam und dem Westen im Allgemeinen und dem Islam und Europa im Besonderen. Die Erfahrung der fruchtbaren Koexistenz zwischen den europäischen Muslimen und den Gesellschaften, in denen sie leben, ist eine wertvolle Basis und effektive Unterstützung für Zusammenarbeit und für Frieden und Gerechtigkeit in der Welt. Die Bemühungen innerhalb der sich stetig erweiternden EU eine Annährung zu schaffen, haben einen unmittelbaren Einfluss auf die muslimische Präsenz in den europäischen Staaten. Zahlreiche islamische Einrichtungen und die sozialen Bewegungen, die sie repräsentieren, suchen ebenfalls den gemeinsamen Dialog. Aus diesem Grund sind wir mehr denn je gefordert, Unterstützung zur Vereinigung von Zielen und Konzeptionen einzufordern. Wir hoffen, dass diese Charta dazu beiträgt, die angestrebte Einheit in Übereinstimmung mit dem allgemeinen Prozess der europäischen Einheit, zu erreichen.

Auf der Grundlage aller zuvor erwähnten Überlegungen haben die islamischen Organisationen in Europa die Initiative zur Formulierung einer Islam-Charta für Europa ergriffen. Diese Charta soll eine gemeinsame Grundlage -so die Hoffnung der Muslime- für ein wohlwollendes, die Muslime bejahendes Umfeld bilden, in der die muslimische Präsenz in Europa als Bereicherung wahrgenommen wird. Die europäische Gemeinschaft kann auf dem Weg zu einem Dialog mit der islamischen Welt von der Verbindung der europäischen Muslime zur islamischen Welt profitieren. Daher werden Muslime in Europa eine präventive Arbeitsweise entwickeln, die Extremismen, Übergriffe und Marginalisierung vermeidet.

Das Hauptziel dieser Charta ist die Formulierung bestimmter Prinzipien, die die Pfeiler eines allgemeinen islamischen Selbstverständnisses in sich vereinen, und damit die Grundlagen für die Interaktion mit der Gesellschaft im Lichte des islamischen Hintergrundes bilden. Diese Charta will für die europäischen Muslime einen intellektuellen, auf die Scharia basierenden Reverenzrahmen schaffen und ein klares Verständnis für die Beschaffenheit der muslimischen Präsenz in zahlreichen europäischen Ländern entwickeln.

Islam-Charta für Europa

Erstens: Quellen des islamischen Selbstverständnisses

  • Das islamische Selbstverständnis leitet sich von methodologischen Grundlagen ab, deren Basis das Festhalten an unveränderlichen in den islamischen Quellen verwurzelten Prinzipien ist. Diese islamischen Quellen sind der Quran und die Sunna (Lebenspraxis und Aussagen des Propheten Muhammad a.s.[1]) wie sie im Konsens der muslimischen Gelehrten verstanden wird, sowie Überlegungen und Lösungsansätze in Bezug auf die Herausforderungen der Gegenwart im Allgemeinen und der europäischen Realität im Besonderen.
  • Das islamische Selbstverständnis, welches den originären Geist des Islam zum Ausdruck bringt, basiert auf dem Prinzip des Mittelweges unter Wahrung der islamischen Prinzipien. Ein Mittelweg, der Übertreibungen ebenso vermeidet wie Nachlässigkeit. Dieser Mittelweg verbindet auf harmonische Weise die Rechtleitung durch die Offenbarung mit den Regeln der Logik und der Vernunft. Er verfolgt die Balance zwischen den materiellen und spirituellen Bedürfnissen des Menschen und richtet den Blick auch auf das Jenseits ohne das Leben im Diesseits zu verneinen oder zu vernachlässigen.
  • Der Islam umfasst mit seinen Prinzipien, Regeln und Werten drei Bereiche
  • 1. Das Glaubensbekenntnis zusammengefasst in den 6 Glaubenspfeilern: der Glaube an Gott, Seine Engel, Seine Offenbarungen (Bücher), Seine Gesandten, das Jenseits und die Vorherbestimmung.
  • 2. Die gottgegebenen Gesetze und ihr Ausdruck in Riten und Kodexes in allen Lebensbereichen.
  • 3. Das ethische System, welches den Weg für Rechtschaffenheit und Aufrichtigkeit bestimmt. Diese drei miteinander verwobenen Bereiche ergänzen sich gegenseitig und bilden gemeinsam ein Konzept um das Gute zu gebieten und das Schädliche zu vermeiden, zum Wohl der Menschheit, sowohl der Individuen als auch der Gemeinschaften.
  • Charakteristisch für den Islam ist sein besonderes humanes Augenmerk auf den Menschen, die Achtung der Vielfalt und natürlichen Unterschiede der Menschen sowie die Flexibilität des islamischen legislativen Systems.
  • Der Islam achtet den Menschen, der nach islamischer Auffassung, von Gott mit einer Verantwortung auf die Erde gesandt wurde. Diese Achtung vor den Menschen, ist eines der wichtigsten Werte, welche bei der Installation eines Systems, bei Planungen oder bei politischen Entscheidungen, die verschiedene Bereiche unseres Lebens beeinflussen, berücksichtigt werden sollten. Sie erfordert den Schutz des Menschen vor allem, was seine intellektuellen Ressourcen und seine Gesundheit gefährdet, die Menschenwürde verletzt oder Schwache ausnutzt, um Menschen auszubeuten oder zu missbrauchen.
  • Der Islam legt großen Wert auf soziale Aspekte wie Mitgefühl, Kommunikation und Kooperation, Nächstenliebe und Großzügigkeit. Diese Werte sind bei der Verfolgung der Rechte von Eltern, Verwandten und Nachbarn zuvorderst zu beachten. Sie sind ebenfalls maßgeblich zur Wahrung der Rechte von sozial benachteiligten, kranken und älteren Menschen. Diese Rechte sind universelles Gut aller Menschen, unabhängig von Glaube oder Herkunft.
  • Der Islam verfolgt das Konzept der Gleichwertigkeit zwischen Mann und Frau auf der Basis des gegenseitigen Respekts. Aus islamischer Sicht ist die Grundlage für ein harmonisches, gleichwertiges menschliches Zusammenleben, die gegenseitige Ergänzung und Harmonie zwischen den Geschlechtern. Der Islam lehnt jede Art des Missbrauchs von und der Gewalt gegen Frauen sowie die Beschneidung ihrer Rechte ab. Auch wenn dies durch einige Muslime, bedingt durch ein unzulässiges Traditionsverständnis, praktiziert wird. Der Islam lehnt die Marginalisierung von Frauen ab. Eine Reduzierung der Frau zum Sexualobjekt wird nicht gebilligt.
  • Nach islamischem Verständnis ist eine intakte Familie, in der Mann und Frau durch die Ehe verbunden sind, der natürliche und notwendige Rahmen, um neue Generationen zu erziehen. Die Familie ist die Quelle für individuelle Zufriedenheit und gesellschaftliche Stabilität. Der Islam unterstreicht die Wichtigkeit, die entsprechenden Bedingungen zu schaffen und Möglichkeiten zu nutzen, um die Familie und ihre Struktur vor Faktoren zu schützen, die sie schwächen oder die ihre Rolle in der Gesellschaft marginalisieren.
  • Der Islam achtet die Menschenrechte und fordert zur Gleichberechtigung der Menschen auf. Er lehnt jede Form des Rassismus ab. Das Recht auf Freiheit ist ein hohes Gut. Darüber hinaus lehnt der Islam Glaubenszwang ab. Die freie Wahl des Glaubens ist garantiert. Der Islam bietet ein ausgewogenes Konzept von Freiheit geleitet durch ethische Werte und legalen Grenzen wie z.B. keine Gewalt gegen sich oder andere auszuüben.
  • Der Islam fordert die Menschen auf, sich gegenseitig kennen zulernen. Er ruft zur Sicherung des Weltfriedens und einer gemeinsamen Koexistenz, zu Dialog, Kommunikation und Kooperation zwischen den Völkern und Nationen auf. Die in islamischen Texten manifestierte Vorstellung vom Dschih?d, meint die Anstrengung zum Guten. In diesem Sinne muss Dschih?d, auf der Suche nach Wahrheit und im Streben nach Gerechtigkeit unter den Menschen, bei der Selbstreflexion beginnen. Sollte ih?d in der Bedeutung von kämpferischer Auseinandersetzung erwähnt werden, so ist das eine außerordentliche Regelung im Falle von legitimierter Selbstverteidigung, die ein muslimischer Staat gegen Angriffe in Erwägung ziehen kann. Diese islamische Regelung steht im Einklang mit internationalem Völkerrecht sowie internationalen Abkommen und Deklarationen. Folglich lehnt der Islam Gewalt und Terrorismus ab und befürwortet das Recht der Menschen für ihre Rechte mit legitimen Mitteln ohne einseitige Partienahme und Unterdrückung zu kämpfen.
  • Muslime sind nach islamischem Selbstverständnis aufgerufen, Aufrichtigkeit zu üben, ihre Verantwortung und ihre Verpflichtungen wahrzunehmen. Der Islam gebietet Rechtschaffenheit und verbietet Betrug. Muslime sind aufgefordert mit ihren Mitmenschen einen positiven Umgang zu pflegen und alle anderen Lebewesen gut zu behandeln.
  • Der Islam beruft sich auf das Schura-Prinzip[2]. Dabei greift er auf Erfahrungen zurück, die die Menschen im Bereich der Politik gemacht haben. Er erkennt die Prinzipien der Demokratie an, die auf dem Recht der freien Wahl einer politischen Autorität sowie auf der Achtung der Prinzipien des politischen Pluralismus und der friedlichen Teilhabe an der Macht basiert.
  • Der Islam ruft die Menschen dazu auf, sich die Erde nutzbar zu machen, da sie zum Wohl der Menschheit erschaffen wurde. Dies bedeutet jedoch eine hohe Verantwortung im Umgang und zum Erhalt und Schutz der Umwelt vor Verschmutzungen, Schäden und Störfaktoren des ökologischen Gleichgewichts. Es ist ein islamisches Prinzip, die Regeln der Natur zu kennen und im Einklang mit diesen zu leben sowie adäquat und verantwortlich mit Tieren umzugehen.

Zweitens: Der Islam in der europäischen Gegenwart

Grundlagen für eine Kooperation auf muslimischer Ebene

  • Die Muslime in Europa bilden den islamischen Grundwerten entsprechend, trotz ihrer vielschichtigen unterschiedlichen kulturellen, ethnischen Wurzeln und verschiedenen Glaubensausprägungen und Rechtspraxis, eine einzige Gemeinschaft (Ummah); geschwisterlich miteinander verbunden durch das Band des Islam. So sind Muslime in europäischen Staaten durch ihre Zugehörigkeit zu einer einzigen Gemeinschaft miteinander verbunden. Jede Bestrebung zur Spaltung der muslimischen Gemeinschaft widerspricht daher dem islamischen Geist der gemeinschaftlichen Verbundenheit.
  • Die Muslime in Europa sind aufgefordert, ausgehend von den Prinzipien ihres Glaubens und dem Wunsch ihre Interessen zu wahren, alles in ihrer Kraft liegende zu tun, um sich zu vernetzen, um besser miteinander zu kooperieren und die Zusammenarbeit ihrer Institutionen und Organisationen effektiv zu koordinieren. Die Meinungsvielfalt zwischen den Muslimen sollte dabei nicht als Hindernis betrachtet werden. Der Islam befürwortet, unter Wahrung seiner konstanten Prinzipien und Regeln, solch eine Pluralität.
  • Die Muslime in Europa sind sowohl ihren europäischen Heimatländern verbunden als auch Teil der islamischen Ummah (Gemeinschaft). Der Charakter der Verbundenheit der europäischen Muslime mit ihren Glaubensgeschwistern in der Welt, ist ein Solidaritätsgefühl, welches alle Menschen einer religiösen Gemeinschaft im Sinne einer gemeinsamen Zugehörigkeit zu einer globalen panreligiösen Identität teilen. Die Verbindungen sollten aufrechterhalten werden; nicht zu letzt, um bei der Kommunikation und gegenseitigen Anerkennung Europas und der islamischen Welt konstruktiv mitzuwirken und so die nachhaltige Zusammenarbeit zwischen den Völkern und Staaten auf internationaler Ebene zu fördern.

(Staats-)Bürgerliche Pflichten europäischer Muslime

  • Die Muslime in Europa respektieren die gesetzgebende, rechtsprechende und vollziehende Gewalt in Europa. Dennoch verteidigen sie, wie es allen andere Bürgern auch gewährleistet wird, ihre Rechte. Dabei machen sie von ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch, sowohl als Individuen als auch als Gruppen, insbesondere in Bezug auf persönliche und gesellschaftspolitische Angelegenheiten. Im Spannungsfeld zwischen juristischem Anspruch und religiös motivierten Ansprüchen können Muslime an die zuständigen Verantwortlichen herantreten und darauf hinweisen, die muslimischen Bedürfnisse mit in ihre Überlegungen einzubeziehen, wenn die Allgemeinheit betreffende Entscheidungen getroffen werden.
  • In Bezug auf Religion fordert das Säkularitätsprinzip die Neutralität des Staates. Demnach ist der Staat verpflichtet, in Übereinstimmung mit den universellen Menschrechten sowie internationalen Konventionen, einen adäquaten Umgang mit den Religionen zu pflegen und dabei den Rahmen zu schaffen, in dem ein Glaube sowohl individuell als auch kollektiv im privaten und öffentlichen Leben ausgelebt werden kann; wie beispielsweise das Recht der Muslime in Europa als anerkannte Religionsgemeinschaft Moscheen zu errichten, eigene religiöse und soziale Einrichtungen sowie Bildungsinstitutionen zu installieren. Muslime haben das Recht, ihre Religion auszuüben (rituelle Verpflichtungen zu praktizieren), Gottesdienste abzuhalten und den Anforderungen ihrer Religion nachzukommen sowie Speise- und Kleidungsvorschriften zu folgen.
  • Muslime in Europa sind sowohl europäische Bürger als auch Angehörige einer Glaubensgemeinschaft. Es ist ihre Pflicht, für das Gemeinwohl zu arbeiten. Muslime sind sich bewusst, dass sie in ausgewogener Weise sowohl ihre Verantwortung wahrnehmen als auch ihre Rechte einfordern müssen. Nach islamischem Selbstverständnis ist der Muslim verpflichtet, aktiv im sozialen Leben mitzuwirken, sich produktiv und initiativ um das Wohl der Anderen in der Gesellschaft zu bemühen.
  • Muslime in Europa sind aufgefordert, sich um eine aktive Integration in ihre Gesellschaften zu bemühen. Diese Integration sollte eine Balance zwischen ihrem Bedürfnis die eigene religiöse Identität zu wahren und der Wahrnehmung der (staats)bürgerlichen Verpflichtungen sein. Ein Integrationsverständnis, welches das Recht der Muslime ihre religiöse Identität zu wahren nicht berücksichtigt, wird weder den Muslimen noch den europäischen Gesellschaften bei der Wahrung der jeweiligen Interessen dienlich sein.
  • Eine der wichtigsten Voraussetzungen auf dem Weg zum verantwortungsbewussten Bürger ist die politische Partizipation. Angefangen bei der Stimmabgabe während politischer Wahlen bis hin zur Mitgliedschaft in politischen Parteien. Die europäischen Muslime sind von der Wichtigkeit der politischen Partizipation überzeugt. Sie sind gefordert an politischen Prozessen teilzunehmen; insbesondere, da die politischen Institutionen Europas offen für alle Bürger, jeglicher Talente und Ideen sind.
  • Muslime in Europa leben in multireligiösen, multikulturellen Gesellschaften und respektieren diese Pluralität. Sie sind offen für die Koexistenz in solch einem vielfältigen und pluralen Umfeld. Der Islam befürwortet solch eine Koexistenz, da Pluralität der menschlichen Natur entspricht.

Aspekte einer muslimischen Partizipation in Europa

  • Der Islam mit seinen universellen Prinzipien ist von einer globalen Nähe überzeugt, die zur Respektierung der Menschenrechte und der Wahrung der kulturellen Eigenheiten der Völker führen muss sowie zur Anwendung des Gerechtigkeitsprinzip im Umgang mit den Völkern, ohne einen Anspruch auf Vorherrschaft oder Ausbeutung. Infolgedessen sind sich die Muslime in Europa ihrer Verantwortung als Mittler zwischen Europa und der islamischen Welt bewusst. Diese Tatsache soll alle Anstrengungen zur Aufhebung des feindlichen Stereotyps Islamische Welt versus Westen unterstützen. Nur so können auf dem Weg zu einer nachhaltigen, fruchtbaren Interaktion der Kulturen die nötigen Brücken der Kommunikation zwischen den Völkern gebildet werden.
  • Mit seinen ethischen Werten und seinen reichen kulturellen Errungenschaften, hat der Islam das Potential durch seine Präsenz in Europa dazu beizutragen, wieder Werte zu etablieren, die in modernen Gesellschaften gefragt sind, wie beispielsweise Gerechtigkeit, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und Nächstenliebe. Der Islam unterstreicht die humane und moralische Dimension in den Bereichen der Wissenschaft, Technologie und ökonomischer Entwicklung. Solch eine bereichernde Mitwirkung wird Früchte tragen, an denen sich alle erfreuen und von denen alle profitieren können.
  • Die Anwesenheit der Muslime in Europa bietet eine einmalige Möglichkeit für einen interreligiösen Dialog und eine interreligiöse Koexistenz. Dies kann am besten durch den interreligiösen Dialog selbst erreicht werden, den der Islam fordert und fördert. Fortschritte und Erfolge in diesem Bereich werden dazu beitragen, Sicherheit und Frieden in der Welt zu etablieren und zu stabilisieren.
  • Durch ihre Präsenz in verschiedenen europäischen Ländern sind Muslime ein Faktor zur Stärkung der europäischen Einheit und Nähe. Das beinhaltet das Potential, Europa mit all den verschiedenen religiösen und kulturellen Komponenten, zu einem kulturellen Pol zu etablieren, welches die Rolle einnehmen kann, ein Gleichgewicht im Einflussbereich der Globalmächte zu sein.

unterzeichnet am 10.1.2008 in Brüssel


[1] Friede und Segen mit ihm

[2] Beratungsprinzip und anschließendem Mehrheitsentscheid.

Mitgliedschaften

Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.
Federation of Islamic Organizations in Europe

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