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Geschichte der IGD

Geschichte der IGD

Die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V. wurde im Dezember 1958 in München als Moscheebaukommission e.V. gegründet. Neben muslimischen Kriegsflüchtlingen aus Osteuropa, die zum Teil auch in der deutschen Wehrmacht gedient hatten, fanden sich unter den Gründungsmitgliedern insbesondere Studenten aus der muslimischen Welt, deren vordringliches Ziel die Einrichtung einer muslimischen Gemeinde in München war, was schließlich im Jahre 1973 gelang.

Das Islamische Zentrum in München blieb, neben den Moscheen in Aachen und Hamburg, lange eine der drei bekanntesten deutschen Moscheen im Nachkriegsdeutschland,. Sie gelten als Wiege des deutschsprachigen Islams in Deutschland.

Der erste Vorsitzende der Gemeinschaft war der in Köln promovierte ägyptische Jurist Prof. Dr. Said Ramadan. Er war eine respektierte Persönlichkeit und stand der Gemeinschaft in den ersten zehn Jahren vor. Er war es, der maßgeblich an der Erweiterung der Gemeinschaft zur "Islamischen Gemeinschaft in Süddeutschland e.V." mitwirkte. Ihm folgte Dr. Fadel Yazdani, ein pakistanischer Arzt und danach Ghaleb Himmat, ein syrischer Geschäftsmann, der der Gemeinschaft fast dreißig Jahre bis ins Jahr 2002 vorstand. Er begleitete die erneute Namensänderung in die Islamische Gemeinschaft in Deutschland e.V..

Der IGD gelang als eine der ersten islamischen Organisationen in Deutschland der Sprung in die nächste Generation. Mit Ibrahim El-Zayat wurde 2001 erstmals eine in Deutschland geborene und sozialisierte Persönlichkeit zum Präsidenten gewählt. Dies hatte sicherlich auch mit dem Selbstfindungsprozess der IGD nach den Ereignissen des 11. Septembers und den daraus resultierenden Herausforderungen der verstärkten Öffnung in die Mehrheitsgesellschaft zu tun. Eine umfassende Satzungsreform wurde umgesetzt, die Legislatur auf zwei Perioden beschränkt, sowie unter anderem eine verbindliche Frauenquote eingeführt. Dementsprechend wurde Frau Dr. Houaida Taraji, Frauenärztin mit deutsch-syrischen Wurzeln zur stellvertretenden Präsidentin gewählt. Die IGD öffnete sich weiter in Richtung der zweiten und nunmehr dritten Generation von Muslimen und organisierte erstmals große Zusammenkünfte der Muslime in Deutschland im Rahmen ihrer Jahreskonferenzen.

Seit 2009 wird die Gemeinschaft nun von Samir Falah, einem Informatiker mit tunesischen Wurzeln, derseit über drei Jahrzehnten in Deutschland lebt, geführt. Die Öffnung in Richtung Mehrheitsgesellschaft wurde weiter ausgebaut. Hierzu gehören unter anderem die Organisation von Kampagnen und Aktionen wie z.B. "Auf gute Nachbarschaft", der "Blutspendetag", das erste deutsch-muslimische "Klimasymposium" oder besondere Events im Fastenmonat Ramadan (z.B. gemeinsames Fastenbrechen, Stadt-Iftar u.a.) zum Teil gemeinsam mit Partnern, Gemeinden und Verbänden. Die Themen der Jahreskonferenzen wurden an aktuellen Debatten der hiesigen Gesellschaft orientiert. Auch der Auftritt in den sozialen Medien und dem Internet wurde initiiert.

Die Gemeinschaft umfasste bereits von Beginn an eine Vielzahl von unterschiedlichen Ethnien und Sprachen und positionierte sich früh als Sprachrohr eines Islams deutscher Prägung. So wurde seit dem Jahre 1960 die deutschsprachige Zeitschrift "Al-Islam" regelmäßig herausgegeben. Diese Zeitschrift und diverse Publikationen der Gemeinschaft stellten über Jahre die grundlegende verfügbare islamische Literatur in deutscher Sprache dar. Seit Ende des letzten Jahrzehnts wurde dem Zahn der Zeit folgend die Papierzeitschrift zugunsten von elektronischen Publikationen, Mailings und Posts eingestellt.

Daneben war die IGD Initiator und Wegbereiter diverser anderer islamischer Strukturen und Institutionen. Mitglieder der IGD und die Institution selbst waren maßgeblich an der Gründung islamischer Einrichtungen in vielen deutschen Städten beteiligt. Auch einige große deutsche islamische Religionsgemeinschaften wurden in ihren Gründungsphasen von Mitgliedern der IGD geleitet.

Die IGD war auch eine der maßgeblichen "Motoren" eines islamischen Einheitsprozesses auf deutscher und europäischer Ebene, dem man sich früh verpflichtet fühlte. Schon 1975 beschloss die Mitgliederversammlung der IGD, Persönlichkeiten mit der Schaffung geeigneter Vertretungsstrukturen der Muslime zu betrauen, aus denen später unter anderem der Islamische Arbeitskreis und der Zentralrat der Muslime in Deutschland hervorgingen. Auch bei der Gründung des KRM (Koordinationsrat der Muslime in Deutschland) spielte die IGD eine unterstützende Rolle.

Auf europäischer Ebene war die IGD 1989 Gründungsmitglied der Federation of Islamic Organisations in Europe und hat dort bis heute relevante Führungsfunktionen inne.

Die Gemeinschaft koordiniert die Aktivitäten ihrer Mitgliedsgemeinden, hilft bei der Organisation von Imamen und Seelsorgern, führt Bildungs- und Fortbildungsveranstaltungen in den unterschiedlichsten Bereichen durch, und unterstützt bei der Planung und Umsetzung von Moscheebauprojekten.

Die IGD erkannte früh die Rolle von Bildung bei der Entwicklung der selbstbewussten Persönlichkeit und gründete bereits 1979 die erste anerkannte deutsch-islamische Grundschule in München, die 25 Jahre Bestand hatte. Mehr als 2500 Kinder und Jugendliche durchliefen diese Schule, die in München regelmäßig prozentual mit die höchsten Aufnahmezahlen an weiterführenden Schulen vorweisen konnte.

Heute ist die IGD eine der wichtigsten deutschsprachigen islamischen Gemeinschaften, die sich für die Ausbildung einer deutschen muslimischen Identität einsetzen, und in diesem Bereich wirken. Sie unterhält eigene Moscheen und Gemeindezentren und koordiniert ihre Aktivitäten mit mehr als hundert weiteren Gemeinden in Deutschland.

Mitgliedschaften

Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.
Federation of Islamic Organizations in Europe

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