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Dialogverständnis der IGD

„Rufe auf zum Weg Deines Schöpfers mit Weisheit und gutem Rat, und setze Dich mit ihnen auf die beste Art und Weise auseinander.“ (Koran, 16:125)

In einer sich stetig wandelnden globalisierten Welt ist Dialog der Weg der Menschen, Ängste abzubauen und sich kennen zu lernen. Ein dialogisches Miteinander ist dabei von essentieller Bedeutung.

Dabei meint Dialog nicht nur Kommunikation, sondern vielmehr auch die gemeinsame Reflektion und Gestaltung von Welt. Ziel ist es weder den Anderen zu überreden, noch geht es um Nivellierungen von Differenzen. Entsprechend basiert das Dialogverständnis der IGD auf einer wertschätzenden Begegnung, welche Verständigung und Vertrauen erst möglich macht. Aufrichtiger Dialog ist die überzeugendste Methode um Unkenntnis, Vorurteile, Feindbilder und Ängste ernst zu nehmen und abzubauen. Die IGD begreift den Dialog als Möglichkeit die eigene Haltung - religiös wie weltanschaulich - durch das Kennenlernen und Erfahren von Überzeugungen, Werten und Praktiken zu reflektieren und zu hinterfragen. Dialog bedeutet für uns immer auch, sich auf die Meinung des Anderen einzulassen.

Der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm), Allahs Gesandter, lehrt uns Menschen die Wertigkeit des Wortes. So sagt er: „ Lasst denjenigen, welcher auch immer von Allah und dem jüngsten Tag im Innersten überzeugt ist entweder Gutes sprechen, oder schweigen“[1]. Das „gute Wort“ bedeutet mehr als nur Respekt, Vertrauen und Achtung, es heißt auch, aufrichtig in die Begegnung mit Menschen zu gehen. Dies heißt auch, sich selbst treu zu sein, seinen eigenen Standpunkt zu kennen und zu vertreten, ohne jedoch dabei Dialogpartner beherrschen oder manipulieren zu wollen. In einem anderen Ausspruch des Propheten (Friede und Segen auf ihm) heißt es: „Seid aufrichtig, denn Aufrichtigkeit führt zu Tugendhaftigkeit und die Tugendhaftigkeit führt zum Paradies[2] “.

Somit ist Dialog eben nicht nur der wechselseitige Vortrag von bloßer Rede, sondern bedarf einer offenen Haltung mit einer gefestigten Identität. Erst wenn es gelingt ehrlich und aufrichtig auf Augenhöhe Dialog zu führen, wird es möglich sein, das Zusammenleben im Sinne des Gemeinwohls und des Zusammenhalts konstruktiv neu- und weiter zu denken und zu entwickeln.

Es ist die Begegnung von Menschen mit ihren jeweiligen Auffassungen, die lebendigen Dialog ausmacht, und es ist eben genau das Zusammenkommen der divergenten Lebensentwürfe, welches erlaubt in Respekt und Achtung für einander zu leben und gemeinsam verantwortete Gesellschaft zu gestalten. Dialog ist die Suche nach dem kooperativ nachhaltig Gestaltbaren ohne Übervorteilung einiger.

Um Dialog zu leben ist es von immenser Bedeutung, dass Menschen lernen, einander tatsächlich zuzuhören. Wie ein weiser Mann einst zu seinem Sohn sagte: "Erlerne die Kunst des Hörens, so wie die Kunst des Sprechens. Das gute Hören meint; dem Gegenüber in die Augen zu blicken, es ihm zu erlauben seine Worte zu Ende zu bringen und dich selbst zurückzuhalten, seine Worte zu unterbrechen". In diesem Sinne gehört zu einem gelingenden Dialog, sich respektvoll zu begegnen und auf destruktive Kritik zu verzichten. Denn erst der Respekt und die Zurückhaltung ebnen den Weg für die oftmals verblüffende Erkenntnis sowohl des Fremden im Eigenen als auch des Eigenen im Fremden.

Die IGD ist davon überzeugt, dass Dialog trotz aller Freiheit aber nicht heißen kann, über Glaubensgrundsätze und Werte anderer hinwegzusehen, oder sie gar lächerlich zu machen, auch und gerade dann nicht, wenn diese nicht geteilt werden (können). Es ist eine Frage des menschlichen Miteinanders, die eigenen Worte präzise und sensibel zu gebrauchen. Die Verunglimpfung einer Religionsgemeinschaft oder deren Identifikationsfiguren trifft deshalb immer auch alle anderen Religionsgemeinschaften und dem sollte entschieden gemeinsam widersprochen werden.

In diesem Verständnis hat sich die IGD, ihre Mitglieder und die ihr angeschlossenen Gemeinde früh an dialogischen Foren beteiligt und sind Gründungsmitglieder diverser interreligiöser und interkultureller Dialogforen im Rahmen ihrer Dachstrukturen und in eigenständiger Verantwortung.

Der gute Umgang zwischen den Buchreligionen (Judentum, Christentum und Islam) ist bei Muslimen besonders gefordert und rührt von den zahlreichen Gemeinsamkeiten in den Offenbarungen her.

Diese gemeinsamen Wertvorstellungen der abrahamitischen Religionen sollten Grundlage für ein positives und konstruktives Miteinander sein und helfen Religiösität als selbstverständlichen Bestandteil auch des öffentlichen Lebens zu erhalten. Gleichermaßen erfordern viele gesellschaftliche Herausforderungen gemeinsame Anstrengungen aller Menschen in unserer Gesellschaft.


[1] Hadith Buhari und Muslim

[2] Hadith Buhari und Muslim

Mitgliedschaften

Zentralrat der Muslime in Deutschland e.V.
Federation of Islamic Organizations in Europe

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