Der Islam auf einen Blick

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Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen

Der Islam auf einen Blick

Islam und Muslim

Islam ist ein arabisches Wort und bedeutet Frieden, Unterwerfung, Hingabe und Gehorsam. Die Muslime nennen ihren Glauben Islam. Dieser Glaube ist die vorbehaltlose Annahme der Anweisungen und der Rechtleitung Gottes.

Ein Muslim ist jemand, der

  • ohne Zwang und bereitwillig die Oberhoheit Gottes anerkennt,

  • sein Leben gemäß den offenbarten Anweisungen Gottes zu gestalten strebt,

  • und sich für eine Gesellschaft einsetzt, in der die Rechtleitung Gottes verwirklicht wird.

Daher ist der Ausdruck „Mohammedanertum“ eine falsche Bezeichnung für den Islam. Sie entspricht nicht seinem wahren Geist.

Beständigkeit der Botschaft

Islam ist kein neuer Glaube. Er ist dem Wesen nach dieselbe Botschaft und Rechtleitung, die Gott allen Seinen Propheten offenbarte.

Sag: Wir glauben an Allah und was auf uns herabgesandt wurde, und was auf Abraham herabgesandt wurde und Ismail und Ishaq und Jaqub und die Stämme, und was Moses gegeben wurde und Jesus und den Propheten von ihrem Herren, wir trennen nicht zwischen einen einzigen von ihnen, und wir sind Ihm friedenmachend Ergebene. (3:84)

Die Botschaft, die dem Propheten Mohammed (s) offenbart wurde, ist der Islam in seiner umfassenden, vollständigen und endgültigen Form.

Die fünf Säulen des Islam

Im Islam ist jede Handlung, die im Gehorsam Gott gegenüber und zu Seinem Wohlgefallen vollbracht wird, eine „ibadah“, ein Gottesdienst. Jedoch bestimmen besondere Handlungen des Gottesdienstes, die als die „Säulen des Islam“ bezeichnet werden, das Gefüge des islamischen Lebens. Es sind dies:

1. Das Glaubensbekenntnis: „Ich bezeuge, daß es nichts gibt, was der Anbetung würdig wäre außer (dem einen einzigen) Gott, und daß Muhammad Sein Diener und Gesandter ist.“ Das Prophetentum Muhammads (s) verpflichtet die Muslime, seiner vorbildliche Lebensweise zu folgen.

2. Das Gebet ist fünfmal täglich, als eine Pflicht Gott gegenüber, vorgeschrieben. Die fünf täglichen Gebete erinnern den Menschen an seinen Bund mit Gott und beleben und stärken seinen Glauben an Ihn stets auf neue. Sie reinigen sein Herz und helfen ihm, der Versuchung zur Sündhaftigkeit auszuweichen und allem Unguten und Unreinen aus dem Weg zu gehen.

3. Zakat ist das jährlich zu entrichtende Abgabe eines bestimmten Prozentsatzes vom Nettovermögen (z.B. 2,5% des Barvermögens, das einen bestimmten Betrag überschreitend ein Jahr lang zur Verfügung stand), zur Läuterung der eigenen Seele und zur Reinigung des Eigentums. Zakat wird an einen bestimmten bedürftigen Personenkreis der Gesellschaft entrichtet wie Arme, Notleidende usw.

4. Das Fasten während des Monats Ramadan, des neunten Monats des islamischen Mondkalenders. Es bedeutet Enthaltsamkeit von Essen und Trinken und Geschlechtsverkehr mit dem Ehepartner, täglich von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang. Dabei werden Verlangen und Begierde unterdrückt. Das Fasten lehrt Aufrichtigkeit und Frömmigkeit, sowie Mitgefühl mit den Armen und Liebe. Es entwickelt ein gesundes soziales Gewissen, Geduld, Selbstlosigkeit und Selbstdisziplin.

5. Die Pilgerfahrt zur Kabah in Mekka, dem Haus, das von Abraham (a.s.) einst zur Anbetung Gottes erbaut wurde. Die Pilgerfahrt ist einmal im Leben denjenigen vorgeschrieben, die die Mittel und die Möglichkeit dazu haben.

Die Einheit Gottes

Der Islam erlegt den Menschen den Glauben an die Einheit und Oberheit Gottes, des Erhabenen Schöpfers, des Lenkers und des Erhalters des Universums auf. Es gibt niemanden, der mit Ihm gemeinsam Anteil an Seiner Macht und Autorität hat. Er ist allgegenwärtig und allwissend. Dieser Glaube befreit den Menschen von Ängsten und Aberglauben und macht ihm seine Pflichten Gott gegenüber bewußt. Der Glaube muß in die Tat umgesetzt werden, denn Glaube allein genügt nicht. Der Glaube an den Einen, Einzigen Gott führt dazu, die Menschheit als eine einzige Familie anzusehen, die unter der allumfassenden Allmacht Gottes, des Erhabenen Schöpfers und Erhalters steht. Der Islam weist die Vorstellung eines auserwählten Volk zurück und sieht im Glauben an den Einen Gott und in den guten Taten den einzigen Weg, der ins Paradies führt. Somit besteht eine direkte Beziehung zwischen Mensch und Gott, ohne irgendeinen Vermittler.

Der Mensch als Statthalter

Der Mensch ist einzigartig unter den Geschöpfen Gottes, sowohl in seiner Gestalt als auch in seinen Fähigkeiten. Er besitzt Verstand und Klugheit, relative Willensfreiheit und Entscheidungskraft. Er ist in der Lage, seinen eigenen Weg zu wählen. Gott zeigte ihm den rechten Weg, und das Leben des Propheten Mohammed (s) stellt für ihn das vollkommene Vorbild dar. Erfolg und Erlösung liegen im Befolgen dieses Vorbildes. Der Islam lehrt die Unverletzlichkeit des menschlichen, persönlichen Wesens und verleiht allen Menschen die gleichen Rechte, unabhängig von Rasse oder Geschlecht. Das Gesetz Gottes, das im Koran verkündet und im Leben des Propheten Mohammed (s) veranschaulicht wird, ist in allen Fällen das höchste. Es wird auf alle angewendet, unabhängig von ihrer Stellung in der Gesellschaft und ohne Unterschied zwischen Regierenden und Regierten.

Koran und Sunna

Der Koran ist das letzte und endgültige offenbarte Wort Gottes und die Hauptquelle der islamischen Lehre und Gesetze. Der Koran befaßt sich mit den Fundamenten des Glaubens, der Moral, der Geschichte der Menschheit, des Gottesdienstes, des Wissens, der Weisheit, der Beziehung zwischen Gott und Mensch und den wesentlichen Aspekten der zwischenmenschlichen Beziehungen. Umfassende Lehren, auf denen gedeihliche Systeme der sozialen Gerechtigkeit, der Wirtschaft, der Politik, der Rechtswissenschaften, des Gesetzes und der internationalen Beziehungen aufgebaut werden können, bilden einen wichtigen stofflichen Inhalt des Koran.

Mohammed (s) selbst konnte weder lesen noch schreiben. Dennoch wurde der Koran sowohl im Gedächtnis seiner Gefährten als auch in den von ihnen unter seiner Aufsicht angefertigten Niederschriften aufbewahrt. Der originale und vollständige Text des Koran ist in Arabisch, der Sprache, in der er offenbart wurde, für jedermann zugänglich. Übersetzungen der Koran-bedeutung und von Kommentaren sind in vielen Sprachen weit verbreitet.

Die Sunna des Propheten Mohammed (s) besteht aus seinen Worten, seiner Handlungsweise und seinem unausgesprochenen Gutheißen bestimmter Sachverhalte, wie sie von seinen Gefährten bezeugt und überliefert wurden. Sie erklärt die Koranischen Anordnungen im Einzelnen.

Der umfassende Begriff vom Gottesdienst

Der Islam lehrt keinen bloßen Ritualismus und akzeptiert einen solchen auch nicht. Er hebt vielmehr sowohl den Glauben und die Absicht als auch die Handlung hervor. Gott zu dienen, bedeutet, Ihn zu kennen und zu lieben, in allen Fragen des Lebens gemäß Seiner Rechtleitung zu handeln, zu guten Taten anzuweisen und das Verwerfliche zu untersagen, Nächstenliebe und Gerechtigkeit zu üben, und Ihm durch den Dienst an der Menschheit zu dienen. Der Koran drückt diesen umfassenden Begriff vom Gottesdienst in folgender vollkommener Weise aus:

Die Frömmigkeit ist nicht, daß ihr eure Gesichter nach dem Osten und dem Westen kehrt, sondern die Frömmigkeit hat, wer an Allah glaubt und an den Letzten Tag und die Engel und die Schrift und die Propheten und sein Vermögensgut aus Liebe zu ihm den Angehörigen gibt und den Waisen und den Armen und dem „Sohn des Weges“ (Reisenden) und den Bettlern und für die Unfreien (Sklaven), und wer das Gebet einrichtet und die Zakat-Steuer gibt und die ihre Abmachungen halten, wenn sie Abmachungen getroffen haben, und die geduldig Ausharrenden im Elend und im Leid und beim Unglück, diese sind es, die wahrhaft sind, diese sind es, sie sind die Gottesfürchtigen. (2:177)

Die islamische Lebensweise

Der Islam versorgt alle Menschen mit klaren Richtlinien für alle Lebenslagen. Die Anleitungen, die er gibt, sind umfassend und schliessen soziale, wirtschaftliche, politische, moralische und geistige Aspekte des Lebens ein. Der Koran erinnert den Menschen an den Sinn seines Lebens auf Erden, an seine Pflichten gegenüber sich selbst, seinen Verwandten, seinen Gemeinde, seinen Mitmenschen und seinem Schöpfer. Dem Menschen wurden grundlegende Anleitungen für ein zweckmäßiges Leben gegeben. Dann wurde er der Herausforderung der menschlichen Existenz ausgesetzt, auf daß er diese hohen Ideale in die Praxis umsetze. Der Islam betrachtet den Menschen als eine gesunde und vollständige Ganzheit und nicht als eine Zusammensetzung getrennter und miteinander konkurrierender Teilbereiche. Das Geistig-religiöse und das Weltliche sind keine getrennten Teile des Menschen. Sie sind vielmehr in seiner Natur als Mensch vereint.

Geschichtliche Perspektive

Mohammed (s) wurde im Jahre 570 (n. Chr.) in der Stadt Mekka in Arabien geboren. Er stammte aus einer vornehmen arabischen Familie. Die erste Offenbarung erhielt er im Alter von 40 Jahren. Er lud 13 Jahre lang in Mekka zum Islam ein. In dieser Zeit waren er und seine Gefährten, die den Islam annahmen, schweren Mißhandlungen und Verfolgungen ausgesetzt, so daß ihm Gott befahl, nach Madinah (einer anderen Stadt in Arabien) auszuwandern. Während der kurzen Zeitspanne von insgesamt 23 Jahren wurde seine Botschaft vollendet. Er starb in Madinah im Alter von 63 Jahren und wurde dort begraben. Er führte ein vollkommenes Leben und setzte ein Beispiel für alle Menschen. Seine Biographie veranschaulicht die Lehren des Korans und ihre Verwirklichung in der Praxis.

Anziehungskraft des Islam

Der Islam in seiner deutlichen und direkten Weise, die Wahrheit auszudrücken, übt eine starke Anziehungskraft auf jeden aus, der Wissen sucht. Er ist die Lösung für alle Probleme des Lebens. Er ist der Weg für ein besseres und vollkommenes Leben, in dem immer wieder Gott, der Allmächtige Schöpfer und Barmherzige Erhalter gepriesen wird.

Der Islam: Lösung für die Probleme unserer Zeit

Die Brüderlichkeit der Menschen:

Ein großes Problem, das die Menschheit in unserer Zeit betrifft, ist der Rassismus. Die materiell fortgeschrittenen Nationen waren in der Lage, Menschen zum Mond zu schicken, aber sie sind nicht in der Lage, die Menschen daran zu hindern, ihre Mitmenschen zu hassen und zu bekämpfen. Der Islam zeigte während der vergangenen 1400 Jahre in der Praxis, wie Rassismus überwunden werden kann. Jahr für Jahr kann man während der Pilgerfahrt das islamische Wunder der Brüderlichkeit zwischen allen Rassen und Nationen verwirklicht sehen.

Die Familie

Die Familie, die den Kern der Zivilisation darstellt, ist in allen westlichen Ländern in Auflösung begriffen. Das Familiensystem führt zu einem angemessenen Ausgleich zwischen den Rechte des Mannes, der Frau, der Kinder und der Verwandten. Der Islam stärkt die menschliche Selbstlosigkeit, Großzügigkeit und Liebe in einem gut organisierten Familiensystem

Eine umfassende Lebensauffassung

Die Menschen gestalten ihr Leben ihren eigenen Auffassung gemäß. Die Tragödie der weltlichen Gesellschaften liegt darin, daß sie nicht in der Lage sind, alle Aspekte des Lebens miteinander zu verbinden. Das Weltliche und das Geistig-religiöse, das Wissenschaftliche und das Rationale erscheinen so, als ob sie miteinander in Konflikt stünden. Der Islam überwindet dies und bringt Harmonie in die Lebensauffassung des Menschen.

Die Koranübersetzung stammt aus: Der Koran, Ahmad von Denffer, 1996 Islamisches Zentrum München

Erläuterungen für Abkürzungen:

(s) arab. Abk. für: [Gottes] Segen und [Sein] Friede seien auf ihm.

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