35. IGD-Jahreskonferenz 2016

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35. IGD-Jahreskonferenz 2016

Gesichter Deutschlands Das neue Wirin Bochum, 01.10.2016

Der Islam ist ein Teil Deutschlands.Ein einziger Satz hat eine enorme Signalwirkung ausgestrahlt und hat, einem Silberstreifen im Horizont gleich, bei vielen die Hoffnung, als Muslime endlich anerkannt und wertgeschätzt zu werden, geweckt. Nach den darauffolgenden heftigen Diskussionen folgte jedoch bald Ernüchterung. Es gibt wohl noch viel Gesprächsbedarf darüber, was Deutschland ausmacht und wer dazu gehört. Der Satz wirkt dennoch wie Balsam für die Seelen der in Deutschland lebenden fünf Millionen Muslime und gibt ihnen Mut. Ein Land, das innerhalb kürzester Zeit eine Million, zum größten Teil muslimische Flüchtlinge aufgenommen hat, bestätigt diese Annahme.

Deutschland hat sich verändert. Es ist bunter, vielfältiger geworden. Menschen aller Couleur tragen jeden Tag aufs Neue dazu bei, dieses Land mitzugestalten. Auch Muslime gestalten es mit: das Wirtschaftswunder des Nachkriegsdeutschlands wäre ohne die türkischen Gastarbeiter so nicht oder nur bedingt möglich gewesen. Heute arbeiten Millionen Muslime als Arbeiter, Angestellte, Führungskräfte und in der Selbstständigkeit und schaffen zusätzlich Arbeitsplätze. Muslimische Politiker sitzen im Parlament und in Landtagen vieler Bundesländer. Muslimische Künstler, Sportler und Schriftsteller sind von der kulturellen Landschaft Deutschlands nicht mehr wegzudenken. Deutschland ist heute bunter denn je!

Die große Frage ist, was uns bei all unserer Verschiedenheit verbindet, was uns zu einem Teil dieses schönen Landes macht. Reicht das Einstehen für die gemeinsamen ethischen Werte und ein klares Bekenntnis zur freiheitlich demokratischen Grundordnung als kleinsten gemeinsamen Nenner oder gehört noch mehr dazu?

Kurzum, was bildet die Grundlage einer pluralen Gesellschaft? Und welchen Beitrag können wir Muslime in dieser bunten Vielfalt für ein gelingendes Miteinander leisten?

Auf diese und weitere Fragen haben die Referenten und Besucher der 35. Jahreskonferenz der IGD in Bochum unter dem Motto: Gesichter Deutschlands – Das neue Wirnach Antworten gesucht.
Die traditionelle Jahreskonferenz war mit etwa 800 Besuchern ein voller Erfolg und bot für Jung und Alt ein buntes Programm. Eröffnet wurde die Jahreskonferenz mit einer Koranrezitation. Nach einer musikalischen Darbietung der syrischen Gesangsgruppe Rahat al-Arwah folgten Grußworte von Samir Falah, Präsident der IGD und Samir Bouissa, Landesvorsitzender des Zentralrats der Muslime. Beide riefen zu mehr politischer Partizipation auf. Auch Prof. Barbara John schickte ihre Grußworte. Sie teilte den Besuchern schriftlich mit, dass die tägliche Arbeit in den Moscheen eine unschätzbare Leistung nicht nur für ihre Mitglieder, sondern für die Gesellschaft insgesamt darstelle. Sie gratulierte der IGD dafür, dass sie sich trotz verbreiteter Vorurteile gegenüber Muslimen zu Deutschland bekenne und sich für ein friedfertiges Zusammenleben einsetze.

Im Programm ging es weiter mit Projektvorstellungen der KT-Bank, der Hilfsorganisation Islamic Relief sowie des Patenschaftsprogramms Wir sind Paten. Im Anschluss daran sprach Susanne Köllner, Amts- und Institutsleiterin des Kommunalen Integrationszentrums NRW in Bochum einige Grußworte.

Im ersten Vortrag mit dem Thema Eigenschaften von Muslimen in Europazählte Dr. Khaled Hanafy, Vorsitzender des Fatwa-Ausschusses in Deutschland und Mitglied im European Council for Fatwa and Research (ECFR) wichtige Aspekte und Eigenschaften, die für Muslime in der europäischen Gesellschaft und das Zusammenleben von Bedeutung sind, auf.

Anschließend griff der Berliner Imam Ferid Heider das Motto Gesichter Deutschlandsauf und sprach über die Wichtigkeit, sich als Muslim als ein Teil Deutschlands zu sehen, gesellschaftlich zu partizipieren und sich über die Verantwortung, die man als Muslim in Deutschland hat, im Klaren zu sein.

In seinem Vortrag Von den Goten bis zu den Syrern! Völkerwanderungen in Europa!bot Ahmad Al-Khalifa den Zuhörern geschichtliche Informationen zum demographischen Wandel innerhalb Europas, zur Rolle des Islams in Europa sowie den Ansporn, gemeinsam zu einer Gesellschaft der Potentialentfaltung zu wachsen und die Flüchtlingszuwanderung als Chance und Bereicherung zu erkennen.

Auch künstlerische Darbietungen kamen nicht zu kurz: mit zwei sehr ausdrucksstarken Gedichten zu den Themen Gesellschaft, Multikulturalität, Religion und Vielfalt bewegte die Jurastudentin Iman Laghmari das Publikum. Mit ihren ermutigenden Worten, die aktuelle gesellschaftspolitische Themen und die Situation von Muslimen in Deutschland beinhalteten, regte sie ihre Zuhörerinnen und Zuhörer zum Nachdenken an.

Für die Unterhaltung sorgten Comedian Ususmango (alias Usama Elyas), Mitgründer der Comedy-Gruppe RebellComedy, die Sänger Issam Bayan und Musab Krayim.

Auch die kleinen Gäste kamen bei der Jahreskonferenz auf ihre Kosten und hatten bei einem bunten Kinderprogramm ihren Spaß.

Das Bonbon gab es am Schluss: die Verlosung einer Umar-Reise, mit einer glücklichen Gewinnerin aus Bonn.

Nach einem Abschlussbittgebet und der Verabschiedung neigte sich die Jahreskonferenz dem Ende zu.

Mit neuen Gedanken, freudigen Begegnungen und frischer Motivation verließen die Besucher die Veranstaltung. Was bleibt, ist die Erinnerung an einen Tag, den man gemeinsam mit der Familie und Freunden verbracht hat und die positive Aussicht, eine Bereicherung für ein vielfältiges Land zu sein und in Deutschland etwas bewegen zu können. Aus der diesjährigen Jahreskonferenz zog der Präsident der IGD Samir Falah sein Fazit: Ich hoffe, dass es uns gelungen ist, die Vielfalt unseres Landes und die mit ihr einhergehenden Chancen aufzuzeigen.

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