Fasten und Tarawih-Gebet während der langen Sommertage

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Fasten und Tarawih-Gebet während der langen Sommertage

Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen;
Heil und Segen seien mit dem Propheten Mohammed, seinen Familien, seinen Gefährten und den Gefährten der Gefährten bis zum Tag der Auferstehung.

Der Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland hat etliche Fragen von Muslimen und manchen islamischen Gemeinden in Deutschland zur Gestaltung des Fastens und des Tarawih-Gebets an den langen Sommertagen Deutschlands in diesem Jahr und in den bevorstehenden Jahren erhalten, wo der Tag etwa 19 Stunden und die Nacht nicht länger als 5 Stunden dauern (werden) und wo die Temperaturen mitunter sehr hoch bzw. für manche zu hoch sind (bzw. sein könnten).
Diese Fasten-Umstände bereiten den Muslimen mitunter Schwierigkeiten beim Fasten und beim Tarawih- Gebet und führen womöglich zu Gewissenskonflikten mit Klärungs- und Aufklärungsbedarf.
Der Rat er Imame und Gelehrten möchte auf die Frage der angemessenen Gestaltung des Fastens und des Gebets an diesen langen Sommertagen, wie folgt, antworten:

Wir folgen in diesem Zusammenhang der Rechtsmeinung des European Council for Fatwa and Research. Diese sieht folgendes vor:
Zum Fasten
Da sich der Tag von der Nacht in Deutschland klar unterscheidet, so gilt die normale Fastenpflicht für den ganzen Tag von der Morgendämmerung bis zum sicheren Sonnenuntergang. Islamrechtliche Grundlage ist die ausdrückliche Aussage im Koran: „…..Und esst und trinkt bis zur Morgendämmerung, wo der weiße Faden von dem schwarzen Faden für euch
klar erkennbar wird. Danach vollendet das Fasten bis zur Nacht….“ (Sure 2/Vers 187)
So unterstreicht dieser Vers unmissverständlich die Pflicht des vollständigen Fastens bis zum Sonnenuntergang an jedem Ramadan-Tag. Wer aber physisch tatsächlich außerstande ist, zu fasten und wen das Fasten physisch überfordert, darf im Ramadan das Fasten, notgedrungen, brechen und die versäumten Fastentage später nachholen. Diese physische Überforderung wird durch den Vertrauensarzt festgestellt oder durch die verlässlichen Erfahrungswerte, z. B., wenn sich der Fastende trotz besten Willens vollständig außerstande sieht, dieselben notwendigen Aufgaben zu verrichten, die er ohne Fasten normalerweise verrichten kann.
Aussagen, wonach sich Muslime in (europäischen) Regionen mit langen Sommer-Tagen nach den kürzeren Tageszeiten von Mekka orientieren sollen, widerlegen sich selbst, da die Wintertage in diesen Regionen wesentlich kürzer werden als die Tage von Mekka im Winter. Und wenn Ramadan an diesen kürzeren Winter-Tagen in dieselben Regionen stattfinden soll/würde, so kann von den europäischen Muslimen dieser Regionen nicht verlangt werden, nach dem Sonnenuntergang noch länger als der Sonnenuntergang zu fasten, um sich nur an den Mekkaner-Sonnenuntergang zu orientieren.

Zum Tarawih- und Fair-Gebet
In Deutschland ist es grundsätzlich zulässig, in der Zeit vom 18. Mai bis zum 08. August das Maghrib- und `Ischā-Gebet (= Das Abend- und Nachtgebet) zusammenzulegen. Das Zusammenlegen bedeutet hier, dass das eine Gebet verrichtet und vollendet wird. Und unmittelbar im Anschluss daran wird das nächste Gebet ebenfalls ohne einen Zeitabstand vollständig verrichtet. Grund für diese Zusammenlegung ist die
Schwierigkeit bei der sicheren Feststellung des zeitlichen Eintretens des Nachtgebets, das an das Ende der Abenddämmerung (= die Sonne ist 18 Grad unter dem Horizont) festgemacht wird.

Im Ramadan hat der Imam zwei zweckmäßige Optionen zur Gebetsgestaltung:
1. Nach dem Eintreten des Zeitpunkts des Fastenbrechens wird das Maghrib-Gebet nicht gleich verrichtet, sondern es wird zunächst gegessen und getrunken. Erst eine Stunde oder Eineinhalb Stunden später werden der Reihe nach das Maghrib-Gebet, das Nachtgebet (=`Ischā-) und das Tarawih-Gebet (Tarawih:Mehrzahl; Einzahl: Tarwiha = ursprünglich Gebetspause, heute etablierte Bezeichnung für das ganze freiwillige Gebet nach dem Nachtgebet im Ramadan) verrichtet. Voraussetzung ist, dass die ganze Gemeinde einer Moschee dieser Option im Konsens zustimmt. Vorteile dieser Option sind z. B., dass möglichst viele das Maghrib-Gebet in der Moschee gemeinschaftlich verrichten und dass die Gläubigen mehr von der kurzen Nacht des Sommers im Ramadan haben. Denn Ramadan soll weder mit Erschwerung noch mit Bedrängnis verbunden sein.

2. Die zweite Möglichkeit ist die pünktliche Verrichtung des Maghrib-Gebets und die Verrichtung des `Ischā-Gebets nebst Tarawih- eine bzw. eineinhalb Stunden später. Dann wäre das auch eine Zusammenlegung beider Gebete mit einem zeitlichen Abstand (Meinung von Ibn Taymiyya & Ibn Qayyim)

Im Übrigen sei allen Moscheegemeinden solcher Regionen, auch Deutschlands, empfohlen, die Verrichtung des Morgengebets (Fajr) möglichst lange zu verschieben und nicht unmittelbar nach der Zeit des imsak (= einer Zeitspanne vorsorglichen Sich-Enthaltens vor dem eigentlichen Pflicht-Fasten und vor dem Fajr-Gebet), dass es möglichst vielen leichter fällt, mitzubeten. Anderslautenden Meinungen sind mit Toleranz zu begegnen, denn die Meinungsverschiedenheit ist in solchen Fragen üblich. Daher ist jeder willkommen, der eine andere rechnerische Methode bzw. eine andere Meinung hat, die dazu führt, dass die Menschen ihre Gebete ohne Bedrängnis und ohne Erschwerung verrichten.
Moscheen, die Gebete nicht zusammenlegen wollen, sei die Empfehlung ausgesprochen, sich bei ihrem Gebetsplan an Regionen auf dem Breitengrad 45 zu orientieren.
Der Rat der Imame und Gelehrten in Deutschland appelliert zudem an alle Moscheegemeinden Deutschland, sich auf einen einheitlichen Gebetesplan mit den üblichen Regional-Zeitverschiebungen für das ganze Jahr zu einigen.
Möge Allah allen Muslimen die Möglichkeit und die Fähigkeit geben, Ramadan mitzufasten und ihnen allen, uns eingeschlossen, die Erlösung vom Höllenfeuer in diesem Monat schenken und den bedrängten Geschwistern in Syrien und anderweitig Seinen Beistand zuteil werden lassen. (Amin)

Geschrieben von Dr. Khaled Hanafy, Vorsitzender des Rats der Imame & Gelehrten

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